Ernährung
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Biologische Vielfalt schafft Ernährungssicherheit
„Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ sagt der Volksmund. Und bei beidem bauen wir fast vollständig auf Natur, denn der überwiegende Teil unserer Nahrung kommt von Pflanzen- und Tierarten. Die meisten davon sind so genannte „domestizierte“ Arten. Das sind Arten wie das Hausschwein, die zwar von wilden Tieren abstammen, aber über eine Vielzahl von Generationen vom Menschen gehalten wurden. Durch die Anpassung an diesen neuen Lebensraum unterscheiden sie sich auch genetisch von Ihren wilden Verwandten. Auch Kulturpflanzen wie die verschiedenen Getreidesorten, die weltweit die Ernährungsgrundlage für mehr als sechs Milliarden Menschen bilden sind ursprünglich so entstanden. Die Vielzahl an Nutzpflanzen und –tieren war so ein Gewinn für die Artenvielfalt.
Spezialisierung gefährdet Vielfalt
Doch auch in der Nahrungsmittelproduktion ist Vielfalt heute gefährdeter denn je. Neben der Spezialisierung auf wenige Arten wird die genetische Vielfalt der Nutzpflanzen und –tiere auch innerhalb der einzelnen Arten durch die Verwendung einiger weniger Hochleistungssorten immer weiter eingeschränkt. Das Ziel sind immer höhere Ernte- und Zuchterträge und damit steigende Gewinne pro Pflanze oder Tier. Um dies zu erreichen werden gezielt einzelne Arten und Exemplare ausgesucht und gekreuzt. Diese Entwicklung führt dazu, dass in vielen Ländern, in denen in der Vergangenheit eine Vielzahl unterschiedlicher Pflanzensorten angebaut oder Tierarten gezüchtet wurde, heute nur noch wenige, besonders einträgliche Sorten bzw. Arten Verwendung finden.
Diese Spezialisierung auf wenige Agrarpflanzen bringt zwar hohe Durchschnittserträge pro Hektar, führt allerdings auch dazu, dass die Pflanzen empfindlicher gegenüber Krankheiten, Schädlingen oder extremen Wetterverläufen sind. Die auf Hochleistung gezüchteten Tiere für die industrialisierte Massentierhaltung sind ebenfalls extrem krankheitsanfällig und ist müssen daher in der konventionellen Landwirtschaft mit Antibiotika und anderen Medikamenten vor Krankheiten geschützt werden. Tierseuchen wie BSE, Vogelgrippe, Maul- und Klauenseuche oder die Schafskrankheit Scrapie verbreiten sich in der Massentierhaltung besonders schnell, da die Tiere in ihrer Immunabwehr geschwächt sind. Die genetische Verarmung der industriell genutzten Tiere wie Schwein, Huhn, Pute oder Lachs ist nicht nur biologischer Sicht gefährlich, sondern ist auch aus ernährungsphysiologischer Sicht bedenklich: Den Tieren werden aus Gründen der Ertragssteigerung oder den Wünschen der Kunden entsprechen bestimmte Merkmale angezüchtet – zum Beispiel besonders fettarmes Fleisch - die die Qualität der tierischen Produkte als Lebensmittel verringern und den Geschmack mindern.
Das Erbgut wilder Pflanzensorten, die weniger anfällig für Krankheiten sind, kann das Risiko verringern. Man spricht dabei vom „Einkreuzen“ von genetischem Material aus wilden Sorten, das in natürlichen Ökosystemen vorhanden ist. Der Vorteil dieser Arten ist, dass sie sich unter natürlichen Bedingungen entwickelt haben und dabei gezwungen waren, sich ständig an neue Lebensbedingungen anzupassen. Sie konnten nur überleben, indem sie neue Abwehrmechanismen gegen die Schädlinge und Krankheiten hervorgebracht haben. Diese genetische Information geben sie an die (gezüchteten) Kulturpflanzen weiter.
Dieser Gen-Pool stellt deshalb ein Reservoir an genetischer Vielfalt dar, dessen Erhaltung für die Ernährung künftiger Generationen von entscheidender Bedeutung ist.
Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe
Rund 80.000 Menschen in Deutschland leiden an Zöliakie und müssen sich glutenfrei ernähren. Gluten ist ein bestimmtes Eiweiß, das in allen üblichen Getreidesorten vorkommt. Die in Äthiopien angebaute Getreidesorte „Teff“ ist glutenfrei. Die Niederländer haben von Äthiopien die Nutzungsrechte für das glutenfreie Getreide Teff erkauft und führen fünf Prozent des durch den Verkauf von Teff-Produkten erzielten Gewinns außerhalb Äthiopiens an Äthiopien ab.


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