Artenvielfalt
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Was ist Artenvielfalt?
Artenvielfalt bezeichnet die Fülle an Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen, wie Pilze und Bakterien, die auf der Erde existieren.
Heute sind rund zwei Millionen Arten bekannt und jährlich werden 12.000 bis 13.000 neue Arten entdeckt. Das bedeutet, dass die wirkliche Artenzahl auf unserem Planeten noch lange nicht feststeht. Wissenschaftler diskutieren Schätzungen zwischen fünf und 100 Mio. Arten, welche insgesamt auf der Erde vorkommen. Besonders bei der Zahl der noch unentdeckten Insektenarten in den tropischen Regenwäldern gehen die Schätzungen noch weit auseinander.
Die artenreichste Gruppe: Insekten
Die Insekten stellen weltweit die größte Gruppe der bekannten Arten. Bisher wurden laut IUCN 950.000 Insektenarten beschrieben. Ungefähr 350.000 Arten sind Käfer. Dagegen sind auf der Erde weniger als 6.000 Säugetier-Arten bekannt.
Die größte Vielfalt gibt es in den Tropen
Sicher ist, dass die Artenvielfalt in den Tropen die Vielfalt der gemäßigten Breiten um ein Vielfaches übersteigt. In den Tropen erwartet man somit den größten Teil an noch unentdeckten Arten.
Da alle Arten durch ein Netzwerk aus gegenseitiger Abhängigkeit verknüpft sind, ist es auch für den Menschen sehr gefährlich, das Netzwerk zu zerstören. Der Verlust an Arten durch den Menschen stellt im Besonderen eine Gefahr dar, da von den meisten beschriebenen Arten die Funktion im Netzwerk des Lebens noch nicht erforscht ist. Somit sind die Folgen des Verlustes von Arten sehr schwer einzuschätzen.
Bedeutung der Artenvielfalt
Die Vielfalt der Arten spielt eine sehr entscheidende Rolle für das Überleben der Arten selbst, denn alle Arten sind von anderen abhängig oder werden durch andere Arten beeinflusst. Arten dienen anderen als Nahrungsgrundlage, bieten Schutz und Wohnraum, sorgen für die Verbreitung und Bestäubung oder regulieren die Vermehrung einzelner Arten, welche in zu hoher Dichte schädlich für eine Lebensgemeinschaft sein könnten. Eine besondere Abhängigkeit findet man bei dem Koala in Australien. Koalas ernähren sich von bestimmten Eukalyptusarten, welche sehr schwer zu verdauen sind. Damit Koalas die Blätter der Eukalyptusbäume verdauen können, befinden sich in ihrem Blinddarm Bakterien, welche die Zellwände der Blätter aufschließen und so die Energie der Blätter für die Koalas verfügbar machen. Ohne diese Bakterien wäre die Verdauung nicht möglich.
Von einzelnen Lebewesen sind sehr viele andere direkt abhängig. Diese werden Schlüsselarten od. engl. keystone species genannt. Der Verlust solcher Schlüsselarten hat zur Folge, dass viele andere Arten aussterben. Zum Beispiel fehlen in den europäischen Wäldern große Räuber, welche das Populationswachstum von Pflanzenfressern regulieren. Dies hat zur Folge, dass viele Baumarten unter dem enormen Fraßdruck durch Reh und Wildschwein leiden. Die Lücke der fehlenden Räuber wird hier allerdings durch die Jagd geregelt.
Weiterhin kann eine hohe Artenvielfalt für die Stabilität eines Ökosystems sorgen, denn falls eine Art aus einer Lebensgemeinschaft ausscheidet, können andere nachrücken und die durch den Verlust frei gewordenen Aufgaben übernehmen. Im Falle der Räuber in den europäischen Wäldern konnte nur noch der Mensch die Lücke füllen, da keine anderen Lebewesen vorhanden waren, die deren Aufgabe übernehmen konnten. Lebensgemeinschaften mit einer geringen Artenvielfalt sind daher stärker bedroht als solche mit einer hohen Artenvielfalt.
Alle Lebewesen stellen darüber hinaus eine Quelle für genetische Vielfalt dar. Jedes Individuum enthält wichtige genetische Informationen, die für die Anpassung und Entstehung von Arten enorm wichtig sein könnten. Der Verlust von Arten birgt ein hohes, sehr schwer abzuschätzendes Risiko, da noch bei weitem nicht alle Arten und deren Funktionen im Netzwerk des Lebens erforscht sind.


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