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Ökonomischer Wert

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Biologische Vielfalt ist „Geld wert“

Rund 80.000 Menschen in Deutschland leiden an Zöliakie und müssen sich glutenfrei ernähren. Gluten ist ein bestimmtes Eiweiß, das in allen üblichen Getreidesorten vorkommt. Die in Äthiopien angebaute Getreidesorte „Teff“ ist glutenfrei. Die Niederländer haben von Äthiopien die Nutzungsrechte für das glutenfreie Getreide Teff erkauft und führen fünf Prozent des durch den Verkauf von Teff-Produkten erzielten Gewinns außerhalb Äthiopiens an Äthiopien ab. (Bild: wikimedia)
Rund 80.000 Menschen in Deutschland leiden an Zöliakie und müssen sich glutenfrei ernähren. Gluten ist ein bestimmtes Eiweiß, das in allen üblichen Getreidesorten vorkommt. Die in Äthiopien angebaute Getreidesorte „Teff“ ist glutenfrei. Die Niederländer haben von Äthiopien die Nutzungsrechte für das glutenfreie Getreide Teff erkauft und führen fünf Prozent des durch den Verkauf von Teff-Produkten erzielten Gewinns außerhalb Äthiopiens an Äthiopien ab. (Bild: wikimedia)

Biologische Vielfalt scheint auf den ersten Blick ein eher ideeller Wert zu sein. Doch der Reichtum an Arten ist ganz eng mit wirtschaftlichem Reichtum verknüpft. Die Natur liefert uns Leistungen, die ansonsten nur mit erheblichem technischem Aufwand und zu sehr hohen Kosten machbar wären. Allein der Marktwert von aus den genetischen Ressourcen abgeleiteten Produkten wird weltweit auf 500 – 800 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Das entspricht der Wirtschaftskraft eines Landes wie Mexiko. Und dies sind nur die Produkte, die direkt den genetischen Ressourcen der Natur zugerechnet werden können.

Biologische Vielfalt sichert Lebensgrundlagen

Nicht nur für spezielle Endprodukte ist eine intakte und vielfältige Natur notwendig. Gerade bei der Versorgung mit den grundlegendsten Ressourcen wie Trinkwasser, Atemluft und Nahrung sind wir ganz wesentlich auf sie angewiesen:

  • Trinkwasser gehört zu den wichtigsten Grundlagen für jedes Leben. Saubere Gewässer und intakte, unbelastete Böden leisten eine natürliche und damit kostengünstige Reinigung des Grund- und Trinkwassers
  • Natürliche Dünger wie untergepflügte Pflanzen oder Mist erhalten die natürliche Fruchtbarkeit von Äckern und Feldern. Die kostengünstige Alternative zu teurem Kunstdünger.
  • Bäume und Sträucher binden Kohlendioxid und filtern Schadstoffe aus der Luft. Gerade in dicht besiedelten Gebieten wie Städten tragen sie damit auf natürliche Art und Weise zur Luftqualität bei.

Gerade bei der Luftqualität ist eine technische Lösung kaum denkbar, lässt sich doch Atemluft anders als Trinkwasser nicht „aus der Leitung“ beziehen. Deshalb setzen viele Städte und Gemeinden auf natürliche Wege zur Verbesserung der Luftqualität. Ein Beispiel ist hier die Stadt Bottropp:

Aus einer Pressemitteilung der Stadt Bottropp vom Januar 2008:

Mit der Bepflanzung des Mittelstreifens auf der Peterstraße will die Stadt Bottrop die Feinstaubbelastung in diesem Bereich reduzieren. In dieser Woche werden die ersten von insgesamt 19 kleinkronigen Winterlinden gepflanzt. Diese Baumart ist bereits teilweise an der Peterstraße vorhanden. (….). Das städtische Grünflächenamt hat sich für diese Rankpflanze entschieden, da sie eine sehr dichte Blattmasse hat und nur einen geringen Pflegeaufwand benötigt....


Biologische Vielfalt schafft Märkte

Naturlandschaften sind oft Grundlage für einen nachhaltigen Tourismus. (Bild: F. Neuschulz)
Naturlandschaften sind oft Grundlage für einen nachhaltigen Tourismus. (Bild: F. Neuschulz)

Auch für unsere Ernährung sind Artenreichtum und funktionierende Ökosysteme von zentraler Bedeutung. Dies beginnt bereits bei den einfachsten Vorgängen in der Landwirtschaft. So ist nach heutigem Stand der Technik die Bestäubung von Kulturpflanzen, etwas das Insekten „ganz nebenbei“ erledigen, mit technischen Mitteln nicht zu leisten. Viele Einkommen und Arbeitsplätze hängen zudem direkt oder indirekt von Natur und Landschaft ab: Land- und Forstwirtschaft nutzen tier- und pflanzengenetische Ressourcen. Ohne ausreichende genetische Vielfalt ist das Züchtungspotential eingeschränkt und damit sind die Züchtungschancen dieser Branche vermindert.

Die pharmazeutische Industrie zieht für ihre Produkte ebenfalls Nutzen aus der biologischen Vielfalt. In Deutschland basiert ungefähr die Hälfte aller gebräuchlichen Arzneimittel auf Heilpflanzen oder zumindest auf deren Inhaltsstoffen. Weltweit werden pro Jahr alleine durch Arzneimittel aus pflanzlichem Ursprung 20 Milliarden US-Dollar umgesetzt.

Noch wichtiger ist Vielfalt und Natur für den Tourismus. Egal ob Fernreise- oder Naherholungsziel, der Erholungs- und ästhetische Wert intakter Naturlandschaften ist hier von entscheidender Bedeutung.

Die Kosten des Artensterbens

Dies alles zeigt, dass die Kosten, die durch den Verlust an biologischer Vielfalt entstehen, kaum absehbar sind. Deshalb haben die Umweltminister der größten Industriestaaten der Erde sich auf dem G8+5-Gipfel im März 2007 darauf geeinigt, eine Studie über diese Kosten in Auftrag zu geben. Im Internet sammelt die Europäische Kommission Belege dafür, inwiefern sich der Verlust von biologischer Vielfalt auf die (Volks-)Wirtschaft auswirkt.

So sollen die finanziellen Folgen untersucht werden, die das weltweite Artensterben und der damit verbundene Rückgang an Ökosystem-Leistungen haben. Zudem sollen die Kosten, die durch den Verlust an Artenvielfalt entstehen, den Kosten für einen wirksamen Schutz der biologischen Vielfalt gegenüber gestellt werden. Die Studie soll bis zur 9. UN-Naturschutzkonferenz im Mai 2008 in Bonn fertiggestellt werden und dort als Grundlage für die Beratungen dienen.

Links

- Europäische Kommission

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